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Kinder- und Jugendschutz

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Pornographie

Pornographie ist die direkte Darstellung des menschlichen Sexualaktes unter expliziter Betonung der Geschlechtsorgane mit dem Ziel der Aufreizung des sexuellen Triebs des Zuschauers. In der Pornographie erscheinen die Menschen vornehmlich als entpersönlichtes Objekt geschlechtlicher Lust oder Betätigung. Solche „einfache Pornographie“ ist nicht generell verboten, es gelten aber strikte Verbreitungs- und Werbebeschränkungen gegenüber Kindern und Jugendlichen. Außerdem unterliegt auch die öffentliche Vorführung vor Erwachsenen Einschränkungen. Die Einzelheiten hierzu finden sich in § 184 Strafgesetzbuch. Auf diesen Tatbestand nehmen auch § 15 Abs. 2 Nr. 1 Jugendschutzgesetz und § 4 Abs. 2 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag Bezug, indem sie pornographische Medien Verbreitungs- und Werbeverboten unterwerfen. Unter „harter Pornographie“ versteht das Strafgesetzbuch eine solche, die mit Gewalt, mit dem Missbrauch von Kindern oder mit geschlechtlichen Handlungen zwischen Menschen und Tieren (Sodomie) verbunden ist. Für den Kinder- und Jugendschutz ist die Kinder- und Jugendpornographie, d.h. die Darstellung sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen, von besonderer Bedeutung. Nicht nur die Produktion, auch die Beschaffung und der Besitz von Kinder- und Jugendpornographie, beispielsweise aus dem Internet, sind strafbar. Hinweisen auf derartige Angebote im Internet geht unter anderem die Einrichtung jugendschutz.net nach, die gegebenenfalls ihrerseits die Strafverfolgungsbehörden einschaltet. Die Definition des Begriffs „Jugendpornographie“ kann Fragen aufwerfen, wenn es sich bei den darstellenden Personen um Scheinminderjährige handelt, d.h. um Personen, die dem Alter nach volljährig sind, jedoch bezüglich ihres Aussehens als minderjährig eingestuft werden könnten. Laut Bundesverfassungsgericht ist Scheinminderjährigkeit nur strafbar, „...wenn und soweit in pornographischen Filmen auftretende Personen ganz offensichtlich noch nicht volljährig sind, etwa dann, wenn sie (fast) noch kindlich wirken und die Filme somit schon in die Nähe von Darstellungen geraten, die als (Schein-) Kinderpornographie unter den Strafbestand des § 184b StGB fallen...“.

Letzte Aktualisierung: 01.09.2015

Literatur:

Begriff der Pornografie.

Walther, Klaus: Begriff der Pornografie.; In BPjM-Aktuell, 3/2003, S.3-8

Das neue Strafverbot jugendpornographischer Schriften nach § 184c StGB.

Liesching, Marc: Das neue Strafverbot jugendpornographischer Schriften nach § 184c StGB.; In JugendMedienSchutz-Report 5/2008. S. 2-6

Kinderpornographie, Jugendschutz und Provider-Verantwortlichkeit im Internet. Eine strafrechtsvergleichende Untersuchung.

Sieber, Ulrich: Kinderpornographie, Jugendschutz und Provider-Verantwortlichkeit im Internet. Eine strafrechtsvergleichende Untersuchung.; Hrsg. vom Bundesministerium der Justiz; Bonn 1999

Pornographische Schriften im Internet: Die Verbotsnormen im deutschen Strafrecht und ihre Reichweite.

Hörnle, Tatjana: Pornographische Schriften im Internet: Die Verbotsnormen im deutschen Strafrecht und ihre Reichweite.; In: Neue Juristische Wochenschrift; 2002, S. 1008–1013

Recht und Rechtsprechung Pornografie im Internet.

Roll, Sigmar: Recht und Rechtsprechung Pornografie im Internet.; In Kind Jugend Gesellschaft; Heft 03, 2004, S.90

Siehe auch:

Ergebnisse aus der Literaturdatenbank:

Borries, Eva: „Generation Porno? Jetzt entscheide ich!“

Wie wir Mädchen fit machen für den Umgang mit Pornografie und Sexting

Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, wie man Jugendliche, besonders Mädchen, davor schützen kann, Opfer, Täter, Mittäter oder Zuschauer in einem Sexting-Fall zu we ... (Berlin, 2014 )

Roll, Sigmar: Braucht es keinen Jugendschutz mehr bei Pornos – oder liegt hier ein Vollzugsdefizit vor?

Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat ein Ermittlungsverfahren eingestellt, in dem es um Verbreitung von Pornographie im Internet ohne Beachtung der Vertriebsbeschränkungen ... (Berlin, 2016 )

Groschup, Friederike: klicksafe Unterrichtsmaterialien

Im Schlusskapitel der Publikation „Gewalt im Netz“ werden verschiedene Materialien der Initiative klicksafe zu dem Themenkomplexen Cybermobbing, Pornographie, Sexting und ... (Berlin, 2015 )

 
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ), Mühlendamm 3, 10178 Berlin, Tel.: 030-400 40 300, E-Mail: info@bag-jugendschutz.de